Tipps von der ersten Ph.D. - Generation

Über die formalen Aspekte der Promotion im Ph.D.-Node hinaus, geben Ihnen die folgenden beiden Abschnitte einen Einblick aus den Erfahrungen der ersten Promovierendengeneration an der Fakultät.


Der erste Bereich gibt Ihnen dabei Informationen für die Bewerbungsphase und grundsätzliche Informationen für eine Entscheidung zum Ph.D. Programm.


Der zweite Bereich enthält Tipps und Tricks wenn das Programm gestartet ist und während der Promotion.


Diese Tipps und Hinweise ersetzen nicht eine grundsätzliche Beschäftigung mit den Promotionsmöglichkeiten. Dafür finden Sie im letzten Abschnitt empfehlenswerte Literatur.


 

Informationen in der Bewerbungsphase

Der Bewerbungsprozess


Grundsätzlich finden Sie alle relevanten Informationen und notwendigen Dokumente in der offiziellen Application Form, hier.


Neben den relevanten Adress- und Lebenslaufdaten, lassen sich die Inhalte im Wesentlichen auf die folgenden Bestandteile vereinfachen, die entsprechend parallel zur Bewerbung zu erledigen sind:


Proposal


Mit dem Proposal sollen Sie neben dem Arbeitsgebiet auch ein bisschen Ihre wissenschaftliche Arbeitsweise darstellen. Trotzdem ist dieses Dokument vergleichsweise sehr einfach gehalten und stellt noch nicht zu große Anforderungen. Sie sollten das Forschungsgebiet kurz wiedergeben und eventuell offene Fragen die sich momentan daraus ergeben (und später die Forschungsfrage stellen könnten) beschreiben. Darüber hinaus sollten Sie zwei, drei Hauptwerke aus dem Gebiet kurz vorstellen und die bibliographischen Daten hinzufügen. Das Ganze kann im Rahmen von ca. fünf Seiten bleiben.


Man geht in Plymouth davon aus, dass Sie am Anfang der Entwicklung zum Forscher sind und deshalb noch nicht gezielt Forschungslücken im gewählten Gebiet, geschweige denn Lösungen dafür kennen. Proposals in diese Richtung werden unter Umständen als viel zu konkret zurückgewiesen. Es kann auch ausreichen die Themenstellung aus einer aktuellen Veröffentlichung im Themengebiet als Startpunkt der Forschungsarbeit zu beschreiben.


Das Proposal wird letzten Endes dafür benutzt, Supervisor aus dem Fachgebiet in Plymouth und, falls noch nicht geschehen, in München zu suchen. Entsprechend muss sich ein Supervisor fachlich damit zurecht finden.



Supervisor


Im Gegensatz zum deutschen Doktorvater, wird man im Ph.D. Prozess von einer Gruppe Supervisor betreut. Dies sind zumeist zwei Professoren oder Ph.D.-Absolventen an den Universitäten, jeweils einer der Hochschule München und der Plymouth University. Unter Umständen wird das Team von einem dritten Supervisor ergänzt. Einer der Betreuer steht als Director of Studies für dem Team voran.


Es hat sich bewährt, fachliche Fragen auf Grund der Nähe mit dem deutschen Supervisor, und formale Fragen mit dem englischen Supervisor zu besprechen.


Die Supervisor begleiten den Kandidaten während des gesamten Prozesses, prüfen aber nicht die Thesis und die Verteidigung. Hier unterscheidet sich das System stark von der Rolle eines deutschen Doktorvaters. Weitere Details dazu finden Sie weiter unten.



Sprachtest


Für eine erfolgreiche Bewerbung muss ein erfolgreich abgeschlossenes TOEFL-Zertifikat beilegen, oder Sie können einen akademischen Auslandsaufenthalt über mindestens ein Jahr vorweisen.



Referenzen


Der Bewerbung müssen zwei Referenzschreiben beigelegt werden. Dabei sollte je eines aus dem akademischen und eines aus dem beruflichen Umfeld kommen. Wenn Sie bereits Ihren betreuenden Professor auf deutscher Seite gefunden haben, kann dieser entsprechen eine der Referenzen stellen. Prinzipiell werden auch zwei akademische Gutachten akzeptiert.



Was erwartet mich im Ph.D. Programm?


Die Erfahrungen im Ph.D. Prozess sind wohl für jede Kandidatin und Kandidaten im Detail unterschiedlich. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Sie das über die kommenden Jahre hinweg ständig begleiten wird.


Die angepeilten drei bis vier Jahre für die Promotion sind auch mit großem Bestreben als realistisch anzusehen und schwer abzukürzen. Das liegt mitunter auch daran, dass die Gebühren auf eine Zeitspanne von vier Jahren ausgelegt sind. Erst danach fällt man zurück auf eine wesentlich günstigere „write-up fee“.


Wenn Sie an Ihre letzte Abschlussarbeit zurück denken, können Sie sich vorstellen, dass man sich auf die Dauer am Besten in einer guten Work-Life-Thesis-Balance arrangiert.


Was Sie für diesen Einsatz bekommen, ist dafür mehr als nur einen Promotionstitel. So intensiv und ohne wirtschaftliche Interessen werden Sie wohl selten wieder ein Thema bearbeiten und sich zu Recht als Experte auf Ihrem Gebiet empfinden. Oder, wie es ein Forscher der NASA ausgedrückt hat: Probably the largest, most self-indulgent piece of work you’ll ever do.


Auf diesem Weg hilft Ihnen vor allem die wichtige Frage an sich selbst „Warum will ich eigentlich promovieren?“ und die Kollegen, mit denen Sie gemeinsam dasselbe Ziel haben. Dabei ist der fachliche Austausch nicht so wichtig, wie die motivatorische Rückendeckung, wenn es mal nicht weitergehen sollte.


Der zeitliche Aufwand ist wohl individuell verschieden und ist auch nicht immer konstant. Prinzipiell wächst zum Ende der Promotionsphase die Arbeit natürlich an und als ungefähren Daumenwert liegt man mit zehn Stunden in der Woche ganz gut.



Der Ph.D. im Vergleich mit einer deutschen Promotion


Neben der englischen Sprache, die man dadurch natürlich auch übt und fit hält, liegt der Hauptunterschied im Wesentlichen in der Unterscheidung Doktorvater – Supervisor und dem daraus resultierenden Prüfprozess mit einem externen Prüfer.


Sowohl die schriftliche Thesis, als auch die mündliche Verteidigung (Viva) werden von einem Akademiker der Plymouth University und von einer anderen Universität (grundsätzlich auch aus England) geprüft. Beide Prüfer sollen Sie im Verlauf der Promotion noch nicht kennengelernt haben. Dies verspricht eine entsprechende Objektivität und damit Absicherung der Promotionsleistung. Gleichzeitig wissen Sie als Kandidat natürlich nicht, auf was die Prüfer Wert legen und wo sie ihre Spezialgebiete haben.


Grundsätzlich betreuen Sie aber dadurch auch die Supervisor entsprechend allgemeingültiger. Das kommt sowohl Ihrer persönlichen Forschungsleistung zu Gute, als auch dem Qualitätsstandard Ihres Abschlusses.


Neben den Fachpromotionen, die es auch im englischsprachigen Bereich gibt, ist der Ph.D. die einzige Promotionsform, die ohne Vorlesungsanteil rein auf der Leistung der Thesis und der Verteidigung beruht. In England stellt Sie damit auch die letzte Grundlage für eine Berufung als Professor ohne Habilitation dar.




Tipps und Tricks für Studierende im Ph.D. Prozess

Ein Thema wählen


Wie bei der Wahl der Studienrichtung, stellt sich auch beim Forschungsgebiet die Frage nach der Auswahl. Prinzipiell ist es natürlich zu empfehlen, sich für die nächsten Jahre auch ein Gebiet zu wählen, dass interessant ist. Auf der anderen Seite sollte es nicht zu weit entfernt von den eigenen akademischen Kenntnissen und Erfahrungen sein. Zum Beispiel ist es nach einem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens daher auch ein bisschen gewagt auf ein rein psychologisches Thema zu wechseln. Das würde sonst sehr viel mehr Grundlagenrecherche und Arbeit erfordern. Mitunter hat man auch bereits ein existierendes Netzwerk an Personen, Einrichtungen oder Mitteln, auf das man einfach zurückgreifen kann.


Forschungsschritte und das Logbook


Zum Start der Promotion bekommt man aus Plymouth ein Logbook überreicht, dass man während der nächsten Jahre mit Sitzungen, Dokumenten und Unterschriften füllen darf. Das Ganze erfordert auf den ersten Blick zusätzliche Arbeit zur eigentlichen Thesis.


Auf den zweiten Blick, ist es aber eine durchaus sinnvolle Unterstützung, wenn man den Hintergrund verstanden hat.


Als erste Säule, der „Supervisory Session“, wird dadurch alle vier Monate ein Treffen mit dem Supervisor Team provoziert. Das hilft zum einen dem eigenen Antrieb auf die Sprünge, an der Thesis zu arbeiten. Auf der anderen Seite bleiben so die Supervisor thematisch am Ball.


Die zweite Säule bildet die Entstehung der finalen Thesis in Grundbestandteile ab und ermöglicht den großen, abstrakten Brocken „Thesis“ in leichter verdaulichen Bestandteilen zu bearbeiten. Diese Bausteine folgen der Philosophie des Ph.D.:


  • RDC1: Man erarbeitet sich ein fundiertes Wissen über den aktuellen Stand der Forschung in seinem Fachgebiet und deckt dabei die relevanten Forschungslücken auf, die zur eigenen Forschungsfrage führen. Das Ganze kann man in einem literature review zusammenfassen.
  • RDC2: Aufbauend auf dem literature review beschäftigt man sich mit der Frage, wie die Forschungsfrage zu beantworten ist. Dies bedeutet konkret die Auswahl der passenden Forschungsmethoden und deren Rechtfertigung im Kontext des Forschungsgebiets.
  • RDC3: Dieses Dokument beschreibt, aufbauend auf die beiden vorhergehenden Bausteine, die Durchführung der gewählten Methoden und deren Ergebnisse. Dies sollte natürlich in einer Linie mit der formulierten Forschungsfrage sein.


Nachdem seit Ausarbeitung des RDC1 und 2 einige Zeit vergangen ist, muss auch die Literaturrecherche in den relevanten Bereichen noch einmal auf den neuesten Stand gebracht werden. Dieses Dokument ist bereits die Grundlage der Prüfung und der mündlichen Verteidigung.


Abgerundet wird das Logbook durch die dritte Säule, das Annual Candidate Monitoring, in dem einmal pro Jahr (und nur falls kein RDC-Dokument in diesem Jahr fertig gestellt wird) auf ca. 1.000 Wörter den Verlauf der Forschung zusammenfasst. Dies ist also eher eine Verlaufs- als eine Ergebnisbeschreibung.


Die drei Säulen und die ungefähren Zeiträume sind in der folgenden Grafik noch einmal zusammengefasst. Der Mindestzeitraum für das Einreichen der RDC-Dokumente kann dabei von Plymouth aus nicht unterschritten werden.


Das Supervisory Team und der Prüfprozess


Nachdem das Supervisory Team nicht die Prüfung der finalen Thesis durchführt, kann man es als Coaching Team und Sparingspartner betrachten.


Das ist insofern wichtig, als es neben den Präsentationen von Publikationen auf Fachkongressen das einzige Feedback während der Jahre des Arbeitens an der Thesis bietet.


Es kommt dabei durchaus vor, dass das Feedback von unterschiedlichen Betreuern auch in unterschiedliche Richtungen geht. Dadurch wird man gezwungen seine eigene Argumentation für das methodische Vorgehen und die Ergebnisse nachhaltiger aufzubauen.


Das Ziel am Ende der Ph.D. Thesis ist es, in seinem Fachgebiet zu den zehn Experten weltweit zu zählen. Das erreicht man natürlich auch durch eine entsprechende Spezialisierung und Eingrenzung des Themas. Auf der anderen Seite wird dabei die methodische Vorgehensweise immer prüfungsrelevanter, da diese schlichtweg am besten für einen Prüfer nachvollziehbar bleibt, der damit nur noch thematisch „nah“ sein kann.


Entsprechend ist der regelmäßige Austausch mit dem Supervisor Team sehr wertvoll und aus eigener Initiative zu suchen.


Die Ethik Kommission


Die Arbeit an der Thesis ist prinzipiell recht frei gestaltet. Für Kontakt zu externen Teilnehmern an der Arbeit (z.B. Teilnehmer an Interviews oder Experimenten) bedarf es jedoch der Freigabe durch die Ethik-Kommissionen der Plymouth University. Diese Kommission gibt es an jeder Fakultät und sie tagt ca. einmal im Quartal. Erst nach dem Freigabedatum dieser Kommission dürfen entsprechend Daten gesammelt werden.


Die Freigabe an sich ist nicht kompliziert und man kann dafür eine komprimierte Fassung seiner Forschungsmethoden aus dem RDC2 verwenden. Konkret von Interesse sind: welche Methoden werden angewandt, d.h. welcher Kontakt kommt zu Stande?; was ist der Zweck des Kontakts, was sind die Ziele?.


Man sollte nur daran denken, bevor man sich die Mühe der Datenerhebung macht. Mit der Formulierung des RDC2 kann man ja entsprechend schon die Freigabe beantragen.


Veröffentlichungen


Prinzipiell wird ein gewisser Anteil an Veröffentlichungen vorausgesetzt. Das kann nach Bereich und Thema natürlich schwanken, drei bis fünf Publikationen sollte man aber anstreben.


Hintergrund dafür ist, dass man seine Forschungsarbeiten bereits in relevanten Kreisen diskutiert und damit der Kritik von anderen Experten aus dem Forschungsgebiet ausgesetzt wird (der sogenannte peer review). Als Vorteil können die bereits veröffentlichten Anteile einer Thesis zum Teil als bereits verteidigt angesehen werden. Entsprechend lohnt es sich auch, darin zu investieren.


Als Einstieg eignen sich die Symposien an den eigenen Universitäten (Hochschule München und Plymouth University). Für internationale Kongresse sollte man sich frühzeitig bewerben. Dort dauern die Bewerbungsprozesse meist länger und diese sind auch schwieriger. Allerdings ist die Reputation solcher Veröffentlichungen auch höher und wenn man einmal im entsprechenden Kreis aufgenommen wurde, hat man auch eine hohe Wahrscheinlichkeit im Folgejahr dort wieder präsentieren zu können.


Entsprechend sollte man schon Erkenntnisse des ersten Jahres in eine publikationsfähige Form bekommen, um zum Ende genug Veröffentlichungen gesammelt zu haben.


Empfehlenswerte Literatur


Grundsätzlich findet google sehr viel zum Thema Promotion und Ph.D. im Allgemeinen. Die verschiedenen Fachbereiche mögen sich in Nuancen durchaus unterscheiden. Für eine erste Information reicht es aber vollkommen aus.


Um den Ph.D. Prozess und die verschiedenen Phasen gut zu verstehen (auch im Laufe der eigenen Promotion) ist folgendes Buch sehr empfehlenswert:


“How to get a PhD“ von Phillips und Pugh


Für den Aufbau und roten Faden einer Ph.D. Thesis liefern die beiden folgenden Werke sowohl einen guten Einblick, als auch erste Details zu den einzelnen Blöcken (wie z.B. Literaturrecherche, Methoden, qualitative und quantitative Datenanalyse, Schreibphase) im Bereich der Betriebswirtschaft und Soziologie:


Research Methods for Business Students, Saunders, Lewis, Thornhill


Business Research Methods, Bryman, Bell



Markus Ehmann


Ansprechpartner

Prof. Dr. Jürgen Spitznagel
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